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I.P.I-Newsletter Mai 2010: Einladungen zu den Juni-Veranstaltungen

Gerne laden wir Sie zu zwei besonders interessante I.P.I-Veranstaltungen am 09....

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Newsletter März 2010

1. Ich-Bewusstsein zwischen Welt und Wahn +++ 2. Wasser, Leben und Intelligenz...

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IPI-Veranstaltungen Dezember 2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe I.P.I-Freunde für den 03. Dezember...

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Newsletter September 2009

1. Schulentwicklungs-Expertin Erika Risse in Wolfsburg +++ 2....

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Partnerschaftlicher Dialog zwischen Ost und West, Nord und SüdIntegration und soziale Partnerschaft

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Gerald Hüther in Wolfsburg: Nicht die Gene, sondern das Leben entscheidet

Gerald Hüther in Wolfsburg: Nicht die Gene, sondern das Leben entscheidet

Bis auf den letzten Platz besetzt war der große Hörsaal im Alvar-Aalto-Kulturhaus, als der renommierte Neurobiologe Gerald Hüther über den Zusammenhang von Leben, Geist und Gehirn sprach: "Das einzelne Gehirn kann nur im Verbund mit anderen existieren."
Erläuternd fügte der Referent hinzu: "In der Kindheit mussten andere uns erst zeigen, wie man das Gehirn benutzt. Unsere genetischen Entwicklungsprogramme sind nicht entscheidend für unsere Persönlichkeit, sondern die Umgebung. Wer am Amazonas geboren wird, entwickelt eine völlig andere Persönlichkeit als ein Wolfsburger Kind. Nicht die Genetik ist ausschlaggebend, sondern die Verbundenheit."


Leben ist Intentionalität

Im vergangenen Jahrhundert herrschte der Machbarkeitswahn, führte der Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung an der Universität Göttingen weiter aus. Die Welt und ihre Wesen wurden objektiviert und instrumentalisiert. Aber die Objekte der Biologie sind tot: "Das Wesentliche, ihre Lebendigkeit, ist auf dem Seziertisch verloren gegangen." Lebende Systeme organisieren sich selbst. Auch in der Erziehung gibt es zwei Möglichkeiten: "Entweder behandele ich das Kind als Objekt, das ich nach meinen Vorstellungen erziehe, oder ich stelle eine Beziehung zu ihm her und versuche, seine eigenen Potenziale herauszulocken."

Worin besteht eigentlich diese viel zitierte Selbstorganisation? Das Lebendige ist im Grunde Intentionalität. Alles, was lebt, will etwas. Vor allem will man stabil bleiben und versucht, den geistigen Besitzstand zu wahren. Aber in einer Welt, die fließt, ist das nicht möglich und widerspricht auch der Evolution: "Wer im Strom stehen bleiben will, muss ständig rudern, das kostet Kraft und lässt sich irgendwann nicht mehr durchhalten." Das Dilemma alles Lebenden besteht im Bewahrenwollen und gleichzeitig Ändernmüssen.

Der Ursprung der Liebe

Ohne Verbundenheit kann niemand existieren. Im biologischen Bereich geht es um den Austausch von lebenswichtigen Stoffen. Jedes Pantoffeltierchen braucht etwas, das ihm fehlt und das ein anderes entwickelt hat. Das ist der Ursprung der Liebe. Im menschlichen Bereich geht es um die Verschmelzung des angereicherten Schatzes von Erfahrungen. Der Darwinismus behauptete, die Entwicklung vollziehe sich durch Wettbewerb. Das ist falsch, sagt Hüther, denn durch Konkurrenz werden nur Spezialisten erzeugt und Fachidioten hervorgebracht. Um sich in einer zunehmend komplexen Welt zurechtzufinden, muss man sich austauschen, und zwar in einem Wechselspiel von Autonomie und Verbundenheit.

Die Verschiedenheit der Geschlechter ist wichtig. In der konservativen Komponente besteht das Bewahren darin, Eier zu legen oder Kinder zu gebären und den Nachwuchs zu erhalten. Dagegen besteht die männliche Sexualität darin, alles auszuprobieren und schließlich ein Tor zu schießen (Gelächter, Zwischenapplaus). Wenn ein Kind geboren wird, hat es sich bereits neun Monate lang intrauterin entwickelt und sich in dieser Zeit organisiert. Sein Gehirn ist jetzt so flexibel, dass es in jeder Umwelt überleben kann.

Doch der erste Input kommt nicht von außen, sondern aus dem eigenen Körper. Nach der genetisch vorgegebenen Körperform konstituieren sich die Gehirnzellen. Da wir alle verschiedene körperliche Merkmale haben, besitzen wir auch verschiedene Gehirnstrukturen und begreifen die Welt völlig unterschiedlich. Erst die zweiten Erfahrungen sind sozialer Natur und finden nach der Geburt statt, wenn Gehirn und Persönlichkeit bereits konstituiert sind. Jetzt brauchen Kinder ein Beziehungsgefüge, denn in der Isolation sterben sie, wie Versuche in vergangenen Jahrhunderten gezeigt haben. Unser Gehirn ist ein soziales Konstrukt, keiner könnte ohne die Erfahrungen der anderen leben.

Verbundenheit und Wachstum

Im Mutterleib machen wir zwei wesentliche Erfahrungen: die der Verbundenheit und des Wachstums. Wir sind aufs Engste mit einer anderen Person verbunden und wachsen gleichzeitig. Diese beiden Sehnsüchte bleiben auch nach der Geburt bestehen: Wir brauchen Verbundenheit und Freiheit, Nähe und Autonomie. Aus dieser Sehnsucht ergibt sich die Intention, beides gleichzeitig zu wollen: dazugehören und autonom sein.

Wer geliebt werden will, opfert dafür alles, was er hat. Wer wachsen will sucht die Herausforderung und will lernen, aber wir schicken ihn in die Schule (Gelächter). Wenn die beiden Grundbedürfnisse nach Liebe und Wachstum nicht befriedigt wer-den, greifen die Mensche nach Ersatzbefriedigungen wie Fernsehen, Süßigkeiten, Computerspiele oder Machtausübung. Das ist nicht genetisch bedingt, ebenso wenig wie es ein Gen für Begriffsstutzigkeit gibt. Es ist das Produkt einer Umwelt, in der Kinder ihre Potenziale nicht entfalten können.

Wer hat eigentlich diese rücksichtslose Welt gemacht? fragt Hüther. Wir wollen sie doch gar nicht so, wie sie ist. Trotzdem verteidigen wir sie nach außen. Wir machen uns auf Kosten der anderen stark und grenzen sie aus, dabei sollten wir sie lieber so lassen, wie sie sind. Unglückliche Menschen verfallen der Manipulation durch Wirtschaft und Werbung, die ihnen jede Menge Ersatz anbieten. Aber wie können wir die Welt ändern? Wir brauchen eine neue Beziehungskultur, gibt uns der charismatische Gehirnphysiologe mit auf den Weg. Jeder wird gebraucht und sollte nach seinen Fähigkeiten dazu beitragen, die Welt lebenswert zu machen.

Text: Birgit Sonnek